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Gesellschaftsdämmerung | Rede vom Weltuntergang (III,31)
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Verteidigern des Posthistoire muss die apokalyptische Perspektive nicht von außen aufgenötigt werden, sie bricht aus ihnen heraus. Die Idee eines kommenden Gerichts, als Bizarrerie gewisser Kreise abgetan, die man besser von den Hebeln der Macht fernhält, steckt in mehr Köpfen, als es dem aufgeklärten Gemüt guttut. Sie steckt, säuberlich in Negationen gerollt, geschichtet und verpackt, in ihm selbst, ein paradoxes Geheimnis, das täglich der Neugier preisgegeben werden kann, ohne dass es deswegen wegginge. Im Leben der erwachsen gewordenen Menschheit vollzieht sich der permanente Gerichtstag über die Welt. Erwachsen geworden... worüber? Über der langsamen Einsicht, dass der Kosmos mit ihr nichts Größeres vorhat als mit jeder anderen Gattung, dass er Mittel und Wege finden wird, sich ihrer über kurz oder langsam zu entledigen, und dass auch diese Rede noch Reste einer unangebrachten Euphorie enthält, so wie die Furcht vor dem atomaren Selbstmord der Menschheit daran laboriert, dass letztere in dieser Frage keine Entscheidungsbefugnis besitzt: nicht ihr Selbst, sondern ein paar klebrige Finger werden ihn, falls er, aller Vorsicht zum Trotz, einmal eintreten sollte, zuwege gebracht haben.
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